Gold feiert sein Comeback – Anleger haben den Ernst der Lage erkannt

Andreas Paciorek, Marktstratege CMC Markets
23. Februar 2016

Lange verschmäht und selbst in seiner traditionellen Funktion als sichererer Hafen in Zweifel gezogen, erlebt das Gold aktuell ein Comeback, welches auch von charttechnischer Seite unterstützt wird. Zum Jahreswechsel noch wurde es sehr ruhig um das Thema Gold. Selbst hartgesottene Fans des Edelmetalls wollten sich kaum noch dem Abgesang entgegenstellen. Zu sehr enttäuschte die Performance trotz der Faktoren, die den Goldpreis eigentlich stützen sollten. Selbst die Kursturbulenzen im August vergangenen Jahres konnten Gold nicht zu altem Glanz verhelfen. Nun aber kommt das Gold mit einem vor kurzem erreichten 12-Monats-Hoch wieder zurück auf das Radar der Anleger. Ganz nebenbei gelang dabei auch der Ausbruch aus einer über Jahre aufgebauten bullischen Keilformation, die dem Edelmetall nun eine starke Unterstützung liefert.

Die Unsicherheit ist gekommen, um zu bleiben

Im vergangenen Jahr konnte die heftige Volatilität an den Märkten, insbesondere in China, das Interesse an das Edelmetall kaum zurückbringen. Ein wichtiger Faktor zu diesem Zeitpunkt war die weiterhin stark verbreitete Hoffnung auf die für Aktien stimulierende Wirkung weiterer Liquiditätsmaßnahmen der Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank und der Bank of Japan. Die nun aber mehr und mehr verpuffende Wirkung der jüngst eingeleiteten und angekündigten Maßnahmen verfestigt die Unsicherheit im Markt.

Wenn selbst zusätzliche Geldgeschenke der Notenbanken die Aktienkurse nicht mehr steigen lassen, bleibt nur noch der Blick auf die Fundamentaldaten. Und mit den zunehmenden Konjunktursorgen und enttäuschenden Quartalsbilanzen lässt der Kaufanreiz für Aktien bei den Investoren merklich nach. Die Suche nach einem sicheren Hafen wird nun ernster verfolgt, wie auch der Blick auf den Japanischen Yen zeigt. Die Währung ist mittlerweile auf den höchsten Stand seit Oktober 2014 gestiegen, womit der Yen noch einmal stärker profitiert als das Gold.

Dollar-Stärke gelangt an ihre Grenzen

Auch die Antizipation eines weiter steigenden US-Dollar schreckte die Anleger davor zurück, tatsächlich wieder ins Gold zu investieren. Ein starker Greenback wirkt belastend auf den Goldpreis. Diese Korrelation lässt allerdings merklich nach. Der Ausbruch des Euro aus seinem Abwärtstrend von 2014 gegen den US-Dollar sowie der Ausbruch des Dollar-Yen-Wechselkurses aus einer massiven Schulter-Kopf-Schulter-Formation erhöhen nun den Spielraum für eine weitere Schwäche des US-Dollar.

Auslöser war hier die Rolle rückwärts der US-Notenbank Fed. Auch wenn Janet Yellen jüngst eine neutrale Haltung gewählt hat, um keine Zweifel an der Stärke der US-Konjunktur aufkommen zu lassen, rechnet kaum noch ein Marktteilnehmer damit, dass sich die Fed weiterhin auf Kurs von vier Zinsanhebungen in diesem Jahr befindet. Vielmehr muss sie nun die Zinswende im Dezember verteidigen, just als die Dynamik nicht nur in der US-Wirtschaft sondern global zunehmend schwächer zu werden droht. Die Fed dürfte wohl kaum mit weiteren Zinsschritten ein Abwürgen der Konjunktur beziehungsweise eine noch größere Unsicherheit an den Finanzmärkten riskieren wollen. Einer weiteren Dollar-Aufwertung dürfte dies zunehmend für eine Weile den Deckel aufsetzen.

Institutionelle Anleger setzen wieder auf Gold

Auch wenn eine starke Gewichtung der Händler in eine Richtung gern als Kontraindikator genommen wird, lässt sich dennoch erkennen, dass ein Umdenken stattfindet. Das Put/Call-Ratio auf den größten Gold-ETF SPDR Gold Shares erreichte den tiefsten Stand seit 2008. Die Gold-ETFs verzeichneten zuletzt hohe Zuflüsse. Insbesondere interessant ist allerdings die Positionierung der Non-Commercials, also unter anderem der Produzenten. Diese gelten als die Marktteilnehmer mit dem besten Wissen zum Markt. Auch diese Marktteilnehmer erhöhten zuletzt ihre Netto-Long-Positionen.

Charttechnik lässt viel Spielraum für Fantasie

Ein weiterer Faktor, der Gold aktuell zugute kommt, ist die Charttechnik. Im Wochenchart lässt sich schön der jüngste dynamische Ausbruch aus der bullischen Keil-Formation erkennen, die sich seit 2013 aufgebaut hatte. Im Fokus steht nun die 1.307 US-Dollar-Marke, das Hoch aus dem vergangenen Jahr. Kann diese Marke zurückerobert werden, würde dies Gold weiteres Erholungspotenzial zunächst bis auf 1.400 US-Dollar liefern. Auf der Unterseite stellt die nach oben durchbrochene Keillinie nun zunächst eine Unterstützung dar.

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